Rückblicke

 

März – April 2019

In Minden – für Minden

Offen für Gott – offen für Menschen

Kultur…     Spiritualität…

            Seelsorge…       Begegnung…

in Trägerschaft des Evangelischen Kirchenkreises Minden

Sonntag, 17. März – Sonntag, 31. März:

Was bleibt“ und „Nicht(s) vergessen“: Gut vorbereitet sein für die letzte Reise

Was bleibt im persönlichen Schatzkästlein meines Lebens? Wie kann ich meinen letzten Lebensweg nach meinen eigenen Vorstellungen gestalten, und was will ich über meinen Tod hinaus bewirken?

Projektreihe der Westfälischen Landeskirche mit Ausstellung und begleitenden Veranstaltungen www.was-bleibt.de www.nichtsvergessen.de

Veranstalter: Ev. Kirchenkreis Minden und Ev. Erwachsenenbildung www.kirchen-kreis-minden.de/aktuelles Kontakt: Superintendent Jürgen Tiemann, Tel. 05718374432 jtiemann@kirchenkreis-minden.de; Carola Macken-brock, Referat für Öffentlichkeitsarbeit, Tel. 0571 – 8374455 c.mackenbrock@kirchenkreis-minden.de

Zu Gast aus Bremen: Dr. Henning Scherf über „Lebensqualität im Alter“ am 21.03. (Foto: A. Loschen)

Verlängert bis 7.3.: Die Ausstellung „Sorge um das Menschheitserbe – was im Orient auf dem Spiel steht“ mit faszinierenden Bildern der Nahost-Fotografin Katharina Eglau (Tunis) wird verlängert und kann noch bis zum 7. März besucht werden! Veranstalter: Katholisches Bildungswerk im Dekanat Herford-Minden und Kooperations-partner. Führungen nach Vereinbarung

Mittwoch, 6. März, 12.00-13.15 Uhr: „Orgel entdecken“ – kirchenpädagogisches Projekt mit Klassen der Eine-Welt-Schule

Foto: Alfred Loschen

Donnerstag, 7. März, 17.30 Uhr: Orgelvesper an St. Simeonis: „Korn, das in die Erde, in den Tod versinkt (eg 98). Musik und Lesungen zur Passionszeit“. An der Marcussen-Orgel: Antje Glöckner

Sonntag, 10. März, 15.00 Uhr: „Sonntags in der Kleinen Stadt“. Abschlussveranstaltung der Projektreihe: „Sieben Tage – Sieben Wochen“ der Tucholsky-Bühne www.tucholsky-buehne.de

Mittwoch, 13. März, 17.00 Uhr: MUT – Musik Und Texte zur Wochenmitte, Meditationen zum Jahresthema: „Jesus begegnen“, Folge 1: „Wir wollen Jesus sehen (Jude Jesus, Rabbi aus Nazareth)“. Musik: Antje Glöckner

Sonntag, 17. März, 16.00 Uhr: „Was bleibt“ – ERÖFFNUNG der Ausstellung und der Veranstaltungsreihe:

Gottesdienst mit Predigt von Präses Annette Kurschus und Orgelmusik von Dr. Ulf Wellner, anschl. Vorstellung des Konzepts „Nicht(s) vergessen“ durch Pfarrer Hansjörg Federmann (Ev. Landeskirche von Westfalen) und Begehung der Ausstellung

Montag, 18. März, 17 Uhr: Christliche Patientenvorsorge. Vorstellung des Vorsorgeformulars der Kirchen und Erfahrungen aus der Praxis. Pfarrer Oliver Vogelsmeier (Krankenhausseelsorge am Johannes Wesling Klinikum, Minden)

Dienstag, 19. März, 17 Uhr: Erben und Vererben. Wissenswertes rund um das Erbrecht und seine Gestaltung. Rechtsanwalt Dr. Claus Burkardt (Kanzlei Wolf Domeier und Dr. Claus Burkardt, M.)

Donnerstag, 21. März, 19.30 Uhr: Lebensqualität im Alter. Plädoyer für ein aktives, individuelles und selbstbestimmtes Leben jenseits des Rentenbeginns. Dr. Henning Scherf, Bürgermeister und Präsident des Senats der Freien Hansestadt Bremen a.D.

Freitag, 22. März, 19.30 Uhr: Kirchenkino „Kirschblüten – Hanami“ mit Hannelore Elsner und Fritz Wepper oder: Beherzt dem Abschied begegnen

Montag, 25. März, 17 Uhr: Stiftungen. Mit dem Erbe Gutes tun – zum Beispiel durch die Gründung einer eigenen Stiftung, Zustiftungen oder Spenden an bereits bestehende Stiftungen. Ute Kolbow (Steuerberatung Meyer, Brockmeier & Partner, Minden)

Dienstag, 26. März, 17 Uhr: Bestattungsformen und -vorsorge. Informationen und Anregungen zum Thema Bestattung und Trauerfeier. Alwin Pamin, Friedhofsmeister der Stadt Minden

Mittwoch, 27. März, 17.00-17.30 Uhr: MUT – Musik Und Texte, Folge 2: „Von Jesus berührt“ mit Texten von Hans Kirchhoff. Musik: Susanne Burgschweiger, Querflöte

Mittwoch, 27. März, 18.00 Uhr: Demenz „Was bleibt, wenn alles schwindet. Leben mit Demenz“, Dr. Harriet Heier (Leben mit Demenz – Alzheimergesellschaft Kreis Minden-Lübb. e.V.)

Donnerstag, 28. März, 18 Uhr: Pflege Im Alter so lange wie möglich selbständig bleiben. Schwester Andrea Brewitt, Oberin der Schwesternschaft der Diakonie Stiftung Salem

Freitag, 29. März, 19.30 Uhr: Kirchenkino: „Honig im Kopf“ mit Til Schweiger und Dieter Hallervorden oder: Was bleibt, wenn man alles vergisst

Samstag, 30. März, 17-18.00 Uhr: Vereint im Reigen vor dem Einen: Meditatives Tanzen – Tänze der Welt. Veranstalter: Ev. Erwachsenenbildung. Kursleitung + Information: Ilona Lubenow (Tel. 05741-2399757)

Sonntag, 31. März, 15 Uhr: ABSCHLUSS der Ausstellung „Was bleibt“ und der Veranstaltungsreihe:

Andacht mit Superintendent Jürgen Tiemann, musikalische Gestaltung: Susanne Burgschweiger (Querflöte), im Anschluss Kaffee und „Lieblingskuchen“ – gebacken nach alten Familien- und Traditionsrezepten

Vorschau April:

Da berühren sich Himmel und Erde“… Benediktinische Raumschöpfung: Auch für Ihre Feier oder Veranstaltung Location mit einzigartiger Atmosphäre? Fragen Sie uns! (s. u. „Kontakt“) Foto: Alfred Loschen

Donnerstag, 4. April, 17.30 Uhr: Orgelvesper an St. Simeonis. An der Marcussen-Orgel: Olaf Schmidt

Dienstag, 9. April, 20.00 Uhr (Einlass ab 19.30 Uhr): Gospel, Pop, etc.: Konzert mit dem Chor ungeschminkt chorios aus Hille www.ungeschminkt-chorios.de

Ungeschminkt Chorios – der Chor aus Hille

(Foto: Elmar Schülingkamp)

Mittwoch, 10. April, 17.00 Uhr: MUT – Musik Und Texte zur Wochenmitte. Meditationen zum Jahresthema „Jesus begegnen“, Folge 3: „Jesu innere Ruhe“. Musik: Peter Wilcek

Samstag, 13. April, 17.00-18.00 Uhr: Vereint im Reigen vor dem Einen: Meditatives Tanzen – Tänze der Welt (Ev. Erwachsenenbildung)

Mittwoch, 24. April, 17 Uhr: MUT – Musik Und Texte zur Wochenmitte. Meditationen zum Jahresthema „Jesus begegnen“, Folge 4: „Jesus zeigt Gefühle“. Musik: Ralf Schymon, Dudelsack

Ökumene mit Herz“: Einführungsgottesdienst der Simeonsherberge für Familie Löchelt am 25.02. in der St.-Simeonis-Kirche (Foto: Alfred Loschen)

Simeonsherberge: Adresse (Post + Zugang): Königstr. 7, 32423 Minden Kontakt: Leiter Jonathan Löchelt, mob. 0178 812 98 27 loechelt@simeons-herberge.de Website: www.weitere-wege.de

Sofern nichts anderes angegeben, freier Eintritt bei Veranstaltungen – für den Erhalt unseres Kirchraums und zur Finanzierung der Veranstaltungen bitten wir um Spenden

Kirche geöffnet:

Dienstag bis Samstag 11-17 Uhr

Jeden Dienstag:

11.00-12.00 Uhr: Seelsorge-Sprechstunde

anonym – vertraulich – kostenlos

12.55 Uhr: Sieben Minuten mit Gott

Gebet am Mittag

Kontakt (Amtshandlungen, Führungen, Gottesdienste, Raumnutzung, Seelsorge, Veranstaltungen, Wiedereintrittsstelle): Pfarrer Andreas Brügmann, Tel. 0571 9341968 andreasbruegmann@gmx.de

Parken: öff. Parkplätze Simeonsplatz und Weingarten (wenige Plätze auf dem Kirchplatz)

Post: Rosentalstr. 6, 32423 Minden

Website: www.kirchenkreis-minden.de/st.simeonis

Zugang: Simeonskirchhof / Weingarten, 32423 Minden (Nähe Königstraße)

„Moshe – Moses – Musa: Prophet des Einen Gottes“

Juden, Christen und Muslime im Gespräch über die gemeinsame Tradition des Mose und ihre heutige Bedeutung.

Interreligiöse Begegnung am Donnerstag, 29. November, 18.30 Uhr, Offene Kirche St. Simeonis

Bericht von Andreas Brügmann

Wie in den vergangenen beiden Jahren trafen sich auch in diesem Jahr Menschen aus der Jüdischen Kultusgemeinde Minden, dem Evangelischen Kirchenkreis, der Katholischen Domgemeinde und der Türkisch-Islamischen Gemeinde zu Minden zu einem interreligiösen Gespräch. Das öffentliche Forum tagte am 29. November in der Offenen Kirche St. Simeonis. Eingeladen hatte die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Minden, in Kooperation mit der Dialog-AG Minden (AG Kirche und Moschee) und der Türkisch-Islamischen Gemeinde zu Minden e.V.

Harald Scheurenberg, langjähriger ehemaliger Vorsitzender der Jüdischen Kultusgemeinde, Cuma Yücel vom Vorstand der Türkisch-Islamischen Gemeinde Minden, und Pfarrer Clemens Becht von der Ev.-Luth. St.-Marien-Kirchengemeinde (Bezirk Lukaskirche) saßen als Vertreter der drei sogenannten „abrahamitischen Religionen“ am Tisch; moderiert wurde von Pfr. Andreas Brügmann.

Nach den beiden („einfacher“ zu behandelnden) Themen „Licht – verbindendes Symbol der Religionen“ im vorletzten und „Engel – Boten Gottes“ im letzten Jahr ging es diesmal um eine prophetische Gestalt, die in allen drei Religionen eine wichtige Stellung hat – deren Name verbindet, wenn er auch in den jeweiligen Offenbarungssprachen seine Nuancen hat: „Moses“ (so in der griechisch-lateinischen christlichen Tradition), „Moshe“ (hebräisch-jüdische Tradition), „Musa“ (arabisch-islamische Tradition).

Wenige Tage vor dem Beginn des Advents, jener Zeit die in der christlichen Tradition auf das große Fest von der Geburt Jesu Christi hinblickt, ging es an diesem Abend um die andere – viel frühere – Geschichte von der wunderbaren Geburt einer großen Glaubensgestalt: Die Geschichte von der wunderbaren Errettung des frischgeborenen Mosesknäbleins im Bastkörbchen, das auf dem Nilfluss schwimmt, findet sich nicht nur in der jüdisch-christlichen Bibel, sondern ebenso – behandelt in mehreren Suren – im Koran.

Auch die weitere Geschichte von Jugend und Wirken als Erwachsener ist in der Überlieferung der drei Weltreligionen erstaunlich übereinstimmend, von zweitrangigen Nuancierungen abgesehen.

In allen drei religiösen Traditionen ist Moses der vom Einen Gott berufene Prophet, Führer und Gesetzgeber des Volkes Israel, der es aus der Knechtschaft des Pharao durch Gottes Hilfe befreit und ihm in der Gottesoffenbarung in der Wüste die göttlichen Gebote – mit den Zehn Geboten als Zentrum – überbringt. Und in allen drei Traditionen muss Mose immer wieder ringen – ringen mit den äußerlich so mächtigen Ägyptern, mit den Zweiflern und Verführten in seinem eigenen Volk, und mit sich selbst.

Gerade Letzteres ist wichtig, wie sowohl Harald Scheurenberg wie auch Cuma Yücel betonten: Die Propheten sind und bleiben Menschen, von Gott geschaffen aus Blut und Fleisch wie alle anderen Geschöpfe. Darum ist es auch nicht korrekt zu sagen, „an die Propheten (bzw. an Moses) zu glauben“, sondern genauer muss es heißen: „an die göttliche Sendung der Propheten (bzw. des Moses) zu glauben“. „Glauben“ kann und darf der Mensch nur an Gott selbst – auch in diesem Bekenntnis waren sich Cuma Yücel und Harald Scheurenberg einig. Dies sagen Christen ebenfalls – und doch verfahren sie in einem fundamentalen Punkt anders als Juden und Muslime, bekennen gemäß der neutestamentlichen Tradition den „Glauben an Jesus Christus“: Juden und Muslime stehen in dieser Frage also auf derselben Seite, im Gegenüber zum (den monotheistischen Gottesbegriff nach eigenem Verständnis differenzierenden, nach jüdischem und muslimischem Verständnis auflösenden) Christentum.

Wie die drei Religionsvertreter deutlich machten, gibt es „funktionale Akzentuierungen“ der Gestalt des Moses, die sich aus dem Gesamtverständnis der – historisch aufeinanderfolgenden und teils auseinander hervorgegangenen – Religionen ergeben:

Für das Judentum ist Mose DER entscheidende Prophet, der Befreier, Führer, Gesetzgeber und Weisheitslehrer des jüdischen Volkes – eine Bedeutung, die auch durch die Erfahrung des Holokaust nicht in Frage gestellt, sondern eher noch bestätigt worden ist.

Im Christentum wird Mose typologisch zum Vorläufer Jesu Christi gemacht, bleibt aber – ungeachtet aller Abwertung des „alten Gottesvolkes“ und sonstigen antijudaistischen Polemiken und Gewalttätigkeiten – auch das ganze christliche Mittelalter hindurch als von Gott gesandte prophetische Gestalt unangetastet. Clemens Becht betonte die zentrale Stellung der Thora in der Verkündigung des Juden Jesus und forderte die heutige christliche Theologie dazu auf, den positiven Zusammenhang von Jesusbotschaft und Thora neu zu entdecken.

Im Islam schließlich wird Moses zum Urbild einer ganzen Kette monotheistischer Propheten, an deren Ende und als deren Erfüllung der islamische Prophet Muhammad steht. Der von Mose verkündete Glaube ist und bleibt Maßstab für den Islam: „Ich glaube, dass es keinen anderen Gott gibt als den, an den das Volk Israel glaubt, und ich bin einer der Gottergebenen (arab. Muslimun)“, bekennt der Pharao in dem Augenblick, als die Meeresfluten über der ägyptischen Streitmacht zusammenschlagen (Sure 10, 90).

Erstaunlicherweise hat die Gestalt des Moses (Moshe / Musa) im interreligiösen Dialog bisher nur wenig Beachtung gefunden, im Gegensatz zu Abraham (Ibrahim). Dabei ist sie besonders geeignet, das Verbindende in den monotheistischen Weltreligionen angesichts der Herausforderungen der Gegenwart deutlich zu machen – ungeachtet unterschiedlicher Interpretationen und Akzentuierungen in den jeweiligen Traditionen. Dies betonten die drei Referenten noch einmal jeder für sich in der Abschlussrunde ihres Gesprächs, bevor sie sich den anschließenden Fragen aus dem Publikum stellten.

Gerade in der heutigen Weltlage mahnt die Gestalt des Mose, das ethisch Einende der Menschen (s. Dekalog) zu suchen anstatt religiöse Traditionen gegeneinander auszuspielen. Mit den Worten Harald Scheurenbergs: „Zwischen Abraham, Mose, Jesus und Muhammad darf kein künstlicher Graben ausgehoben werden“. Die um den Tisch versammelten Vertreter haben an diesem Abend ihren Teil dazu beigetragen, dass über alte Gräben neue Brücken gebaut werden.

Mose mit dem Stab vor dem Pharao (persische Handschrift aus Afghanistan, 15. Jh.,    

Nationalmuseum Kraukau. Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Moses_im_Islam)